Strongmanrun 2012 überlebt

Renate und ich haben am 5.5.2012 den Fishermans Strongman erfolgreich absolviert. Zu diesem Anlass möchte ich meine Erfahrungen teilen.

Tag 1: Anreise
Am Freitag sind wir mit zuviel unnötigen Gepäck Richtung Eifel zum Nürburgring gefahren. Die Stimmung und das Wetter (sehr sonnig und warm) waren hervorragend. Nach der Ankunft auf dem Campingplatz wurde zuerst der Grill angezündet und das Zelt aufgebaut. Nachdem das Zelt stand, konnten wir auch mit dem Grillen anfangen. Das schmackhafte Grillgut konnten wir noch vor dem ersten Regenschauer mit Hagel verspeisen. In einer Regenpause holten wir unsere Startunterlagen ab und erkundeten das Gelände. Punkt 17 Uhr startete die Pastaparty im Eifeldorf, aber bedingt durch das Wetter fanden sich erheblich weniger Personen ein, als von den Veranstaltern geplant. Im Restaurant “twentyseven” gab es für nur 7,90 Euro ein Buffet mit drei verschiedenen Nudelsorten (sehr lecker). Dazu Apfelsaft und Wasser soviel man wollte. Nach diesem üppigen Mahl gingen wir um 20:30 ins ring°kino. Dort konnten wir nach einer sehr langen Wartezeit an der Kasse die Komödie “American Pie 4: Das Klassentreffen” anschauen. Dieser Film kommt zwar nicht ganz an die ersten Filme heran, ist aber trotzdem empfehlenswert! Hiernach gingen wir zum Zeltplatz zurück, da ein anstrengender Tag bevorstand. Die Nacht war bitter kalt. Obwohl ich im ganz im Schlafsack verschwunden war, und nicht einmal der Kopf rausgeschaut hat, habe ich gefroren. Ich brauche wohl einen Schlafsack, der tiefere Temperaturen aushält.

Tag 2: Frühstück
Auch an diesem Tag kam der Spruch “Das wird die Hölle” sehr häufig zum Einsatz. Um es vorweg zu nehmen, es war die Hölle! Nachdem wir uns einigermaßen von der kalten Nacht erholt und uns ein wenig frisch gemachten hatten, packten wir unsere Laufsachen und liefen Richtung Frühstück. Dort lies uns der Türsteher der Langstreckenbar nicht rein, weil es keine Brötchen mehr gäbe. Wir sollen es im Castello probieren. Dort gab es am Anfang zwar auch keine Brötchen, aber wir konnten wenigstens frühstücken. Dort kostete das Früstücksbuffet aber 14,00 Euro anstatt der 9,50 Euro des Powerfrühstücks des Rahmenprogramms. Gut gestärkt ging es zum Event.

Der Start
Um ca. 11 Uhr erreichten wir das Eventgelände. Die Orientierung auf dem großen Gelände fiel sehr schwer. Teils weil es keinen großen Plan gab, teils weil die Schilder zu niedrig hingen und durch andere Personen verdeckt wurden. Nur durch fragen anderer Teilnehmer konnten wir den Weg zu den Garderoben finden. Vor der Garderobe machten wir uns lauffertig und wartenden ca. 25 Minuten im Regen, damit wir unsere Wert- und Duschsachen abgeben konnten. Nur noch schnell aufs Klo, zum Start durchgefragt und schon standen wir mitten drin. Die motivierende Musik wurde nur durch den Sprecher und durch Buhrufe für Herrn Pocher unterbrochen. Da der Start 30 Minuten angeblich wegen Nebel (ich vermute das einige Teilnehmer noch ihre Beutel bei der Garderobe abgeben wollten) verschoben wurde, standen wir ca. 50 Minuten im kalten Regen. Nun war es endlich soweit, und der Startschuss fiel. Nach ca. 5 Minuten konnten auch wir loslaufen, doch dann stockte das Feld schon wieder und wir arbeiteten uns im Schritttempo Richtung Startlinie. Sie wurde erst nach 8 Minuten erreicht und wir konnten frei laufen.

Der Run
Kurz nach dem Start konnten die ersten Teilnehmer nicht mehr das Wasser halten und verrichteten ihre Notdurft an der Rennstrecke. Der erste Stau (ca. 35 Minuten) bildete sich nach zwei Kilometern an einem 2,5 m breiten Durchgang mit Verpflegungsstelle. Nach diesem Nadelöhr war der schmale original Weg durch zerstörte Absperrbänder nicht mehr erkennbar und so sind viele Läufer kreuz und quer den Berg herunter gelaufen.

Hindernis 0.5: Verpflegungsstelle 1
Auf rutschigen Untergrund konnte man zur Verpflegungstelle hinrutschen. In der ersten Runde wurde noch mit Bananen, Orangen und Powerriegeln geworfen wie Kamelle und in der Zweiten gab es nur noch Obst. Wenigstens wurde so die Wartezeit angenehm verkürzt.

Hindernis 1: Schwimmalaya
War ganz nett, 3 Becken mit Matsch und einem 6 m hohen Berg mit Seilen. Leider waren die Becken in der zweiten Runde leer ;-( Noch vor dem ersten Hindernis wurden die Teilnehmer vom Ersten überrundet.

Hindernis 2: Barbecue
Beim Durchlaufen hat man nix gesehen und es hat nach verschmorten Plastik gestunken. Schön fand ich die Flammen, die leider in der zweiten Runde aus waren.

Hindernis 3: Wall Street
Ein Holzwand mit Löchern zum Hochsteigen -> sehr einfach.

Hindernis 4: Die schwarze Witwe
Bei der ersten Runde stauten (ca. 25 Minuten) sich hier wieder die Teilnehmer. Deshalb erlaubten die Ordner an der Seite vorbei zu robben. In der zweiten Runde war dieses Hindernis leider gesperrt und so konnte ich es nicht testen ;-(

Hindernis 5: Wadenkiller
Über einen Strohballen hüpfen ist nicht schwer!

Hindernis 5.5: Matschberg des Grauens (inoffiziell)
Ca. 20 Meter maschiger und sehr rutschiger Berg ohne Hilfsmittel. Kaum ohne Hilfe zu schaffen, besonders wenn man einen Typ mit Tanga als Vordermann hat ;-) Die Strecke war min. doppelt so breit wie geplant. Beim zweiten Mal war dieses Hindernis erheblich einfacher.

Hindernis 5.7: Verpflegungsstelle 2
Wie an jeder Verpflegungsstelle musste man auch hier warten. Wenn man dran war, konnte man mit einem Becher mit seinen schmutzigen Fingern sich selbst das Getränk aus dem Eimer holen. Sehr lecker! Die Zweite Runde war noch katastrophaler! Hier rutschte ich wegen der Bodenbeschaffenheit aus Bechern, Masch und Asphalt aus und zog mir eine kleine Schürfwunde zu. Auch gab es keine Becher mehr und man musste direkt vom Fass trinken!

Hindernis 6: Niagara Fall
Sehr geil! Wollte gleich nochmal rutschen, gab aber keinen Aufstieg! Leider in der zweiten Runde gesperrt ;-(

Hindernis 7: Heu-Ruck
Herrlich, schon wieder Stau (ca. 25 Minuten)! Schlimmer als auf der A3 am Offenbacher Kreuz zur Rush Hour! Die Strohballen war sehr hoch gestapelt und so musste man sich gegenseitig drüber helfen. Das hat wunderbar funktioniert! Selbst die Strongwomen haben kräftig zugepackt. Was für ein genialer Zusammenhalt! Dafür nochmal ein herzliches Dankeschön! Der Abstieg gestaltet sich, bedingt durch die Höhe von 3 m recht schwierig. In der 2. Runde gab es erwartungsgemäß keinen Stau mehr. 2/3 der Teilnehmer waren bestimmt schon im Ziel ;-)

Hindernis 8: Panikpool
Verdammte Scheiße war das Wasser kalt (7°C)!!! Reingesprungen und sofort die Luft weggeblieben! Hab erst mal den Rand gesucht und nachdem ich mich akklimatisiert hatte, konnte ich die 40 m natürlich mit Schuhen durchschwimmen. Es war auch beim zweiten Mal die Hölle! Danach waren die Klamotten sehr kalt, nass und ekelhaft eng anliegend. Bewegung war das einzige, dass gegen diesen Zustand half.

Hindernis 9: Hängelücke
War sehr einfach, konnte beim ersten mal über die Hängebrücke laufen, beim zweiten mal hab ich leider ein Seil verfehlt.

Hindernis 9.5: Verpflegungsstelle 3
Nix zu bemängeln! Nur sollten alle Verpflegungsstellen sich nach links und rechts aufteilen.

Hindernis 10: Zitterpartie
Entweder war ich gut und hab kein Draht berührt, der Strom war aus, oder die Spannung zu schwach eingestellt.

Hindernis 11: Kniekiller
Im Entenmarsch konnte dieses Hindernis einfach gemeistert werden.

Hindernis 12: Tauchstation
Bei diesem 2. Wasserhindernis war das Wasser schön warm, im Gegensatz zum Panikpool.

Hindernis 13: Schlammassel
War so einfach, kann mich kaum daran erinnern.

Hindernis 14: The Pyramids of Pain
Wenn man nicht aufpasste, ist man in ein Strohloch gefallen. Ansonsten sehr einfach.

Hindernis 15: Final Destination
Auf der rechten Seite konnte man fast ohne Reifenkontakt durchkommen (Pussylane?!). Gegen Ende haben sich die Hindernisse wegen der Zuschauer gehäuft.

Hindernis 16: Ziel oder auch Platz der Unterkühlung
Nachdem ich auf der Zielgeraden nochmal alles gegeben und bestimmt nochmal 50 Teilnehmer überholt hab, bin ich nach 04:42:43 Stunden (Platz 8140 von 9962) im Ziel eingetroffen. Nass, Schmutzig, Kalt, aber Glücklich, daß ich den Strongman überlebt habe. Nachdem ich meine Finisher Medaille erhalten habe, ging der Horror erst los! Die Verpflegungsstelle im Ziel war natürlich leer, ich hab von Kuchen gehört! Nix zum aufwärmen wie Decken oder ein heißes Getränk da! Nur Erdinger Alkoholfrei, schön gekühlt! War trotzdem lecker ;-) Nach dieser Stärkung wollte ich meine an der Garderobe abgegebenen, trockenen Sachen holen und schön warm Duschen. Ein Wunder, beim Abholen gab es keine Wartezeit! Es war keiner mehr da, der auf die Wertsachen aufgepasst hat. D.h. jeder hätte sich meinen Kleidersack mit Inhalt (Handy, Schlüssel, Geldbeutel mit 200 Euro, Wechselsachen) mitnehmen können. Zum Glück war bei mir und Renate alles noch da! Die nächste Katastrophe war die gemischte Dusche. Im Vorraum zogen sich alle Teilnehmer aus und die Umziehsachen lagen kreuz und quer herum. Nach dem Ausziehen musste man eine der 7 noch funktionierenden Duschen (Wartezeit nackt 5-10 Min.) erwischen. In diesem Zelt durfte nur ohne Shampoo geduscht werden, für den gröbsten Dreck hat es gereicht! Jetzt nur noch die trockenen Sachen wiederfinden, falls noch vorhanden und anziehen. Ein anderer Teilnehmer hatte weniger Glück! Ihm wurden seine kompletten Sachen beim Duschen entwendet. Und so musste er sich, nur mit einem Handtuch bekleidet, zurechtfinden. Das einige Mitstreiter kein T-Shirt abbekommen haben lässt sich einfach erklären: Jeder, auch ohne Startnummer, konnte sich ein Finisher Shirt abholen! Ich hab nur meine Größe genannt und hab einfach eins bekommen. Wenn ich wollte hätte ich jetzt auch 5.

Dann hab ich Renate auch wieder an der Toilette getroffen. Wir hatten uns am Anfang der zweiten Runde getrennt, weil sie Probleme mit ihren Waden hatte und nur noch gehen wollte. Sie hat erst am Campingplatz geduscht, dort war aber das Wasser eiskalt und sie hat sehr gefroren. Dummerweise haben wir vergessen unsere ChampionChips und unsere Ring°Cards ab zugegeben. Die Ring°Card konnten wir noch ohne Problem zurück geben, aber wir durften nicht mehr Eventgelände, und so haben wir den Chip immer noch. Fürs nächste Jahr?! Noch eine Nacht wollten wir am kalten Nürburgring nicht mehr verbringen und so sind wir heimgefahren.

Oli Pocher
Das Video von RTL Explosiv – “Oli Pocher beim Strongman ab 9:22″ zeigt: Pocher wurde vorgelassen und ist nur eine Runde gelaufen, die Pussy! Ich kann auf solche D Promis verzichten! Der taugt nur noch fürs Promi Dinner!

Fazit
Von der Organisation hab ich bei so einem großen Event viel mehr erwartet. Es ist ja nicht das Erste, sondern wird jedes Jahr in verschiedenen Ländern angeboten. Solche Fehler wie hier, darf es nicht geben! Die Hindernisse waren OK aber nicht besonders schwer. Das härteste bei diesem Strongman war an allen Stellen die Wartezeit. So war für mich der Strongman ein StrongWait. Ich hab zwar überall noch Muskelkater, aber insgesamt hat es doch sehr viel Spaß gemacht. Deshalb hab ich auch mich auch schon unverbindlich vorangemeldet. Ich hoffe alle Hindernisse werden breiter ausgebaut und es gibt nur eine Runde. Das Orga Team sollte auch die Kritiken der Läufer ernst nehmen und umsetzen.

Dann bis 2013 und starken Gruß!

Medien

3 Gedanken zu “Strongmanrun 2012 überlebt

  1. Ich hab überlebt!!!!
    Jetzt beim nachlesen wird mir nochmal klar…”es war die Hölle”.
    und wieder stellen sich mir zwei Fragen…
    1. was Pocher? was?!
    Aber die alles entscheidende Frage ist
    2. … WARUM???
    Die Geschichte lohnt sich erzählt zu werden :-)

    …eines schönen Tages, es war im Sommer 2011, fragte Klaus ( er stellt oft blöde Fragen und es ist schlau notorisch NEIN zu sagen) “wollen wir beim Strongman mitmachen?”
    …und ich antwortet, lang und wohl überlegt natürlich, ” JA!”

    Dies wurde so am Strongman-Wochenende, nach, dass wird respektive, dass ist die Hölle der zweite meist gesagte Runninggag.
    ” Warum sind wir hier? Du hast gefragt und ich hab ja gesagt!!”
    Also sollte man Euch mal was fragen z.B. kommst du mit zu Bravehardt-Lauf sagt einfach NEIN!!
    Außer ihr wollt versuchen zu ertrinken, zu erfrieren, euch die Hautoberfläche mit Hämatomen verschönern, ein paar Tage nicht mehr laufen können, eure Grenzen finden und überschreiten …… und eine Matschallergie entwickel :-)
    Es geil, ich bin Strongman FINISCHER!!!!!!!
    Ach Ja und alle über 4h sind die wahren Strongmänner und Strongfrauen seid Stolz auf eure Ausdauer und eure Selbstmotivationsfähigkeit!! IHR SEID DIE BESTEN!!!
    Renate

  2. Pingback: Links des Tages (5): Palmenumarmer, Strongmanrun,Wetterochs

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